IGEL Usedom-Verlag

Insel-Geschichten von Land und Leuten

Weihnachtliches aus dem alten Swinemünde

Gewiss sind die heutigen weihnachtlichen Schulfeiern schöner. Damals waren sie schlicht und einfach und vielleicht stimmungsvoller.
Schon die Zeit vorher war für uns Kinder spannend!
Es fing mit dem Aufregenden Sammeln der Weihnachtsgaben an. Oh, was wurde alles mitgebracht! Puppen mit demolierten Köpfen auch anderes Spielzeug das oft nichts mehr wert war.
Aber es waren auch viele gute Bekleidungsstücke darunter, außerdem wurde eifrig Geld gesammelt. Die Bäcker stifteten viel Süßes und besonders „Ausstecher“. Das war ein ganz helles Gebäck in unmöglichen Farben, mit buntem Mohn bestreut.
So kam ein richtiger Weihnachtstisch zusammen, der in der dafür viel zu kleinen Aula aufgebaut wurde.
Ach dieses unvergleichliche Glück, wenn man schon vorher den brennenden Baum bestaunen konnte! Äpfel, Nüsse, selbst geklebte bunte Papierketten und natürlich viele Lichter in allen Farben hingen zwischen den Zweigen. Und dann unser Stolz, wenn die zu bescherenden Kinder hinein geführt wurden. Ich glaube wir haben später nie wieder ein solch beglückendes Gefühl vom Geben gehabt, wie damals als Kinder.


Einkauf zum Fest


Was sind die Preise jetzt beweglich!
Sie klettern wöchentlich, ja täglich.
Wenn früher ich zum Kaufmann ging,
Da steckte noch an manchem Ding,
Damit das Publikum gleich weiß,
ein Etikett mit festem Preis.
Hab` heut ein Stück ich ausgewählt,
so seh` ich, daß der Preis dran fehlt.
Ich frage leis, mein Mut wird schwach,
Der Kaufmann spricht: “Gleich seh` ich nach.“
Den Kaufmann rührt es nicht, mein Tun,
Dagegen ist er längst immun…
Er greift zur Tafel aus Pappe,
Er murmelt eine Zahl,
Ich greife – nach meiner Kappe
Und schleich aus dem Lokal.


haff winterWinter am Stettiner Haff
Weihnachtsgeld

Ich hatte im Anzeiger das Inserat einer Firma gefunden, welche alte Bücher zu sehr hohen Preisen zu kaufen wünschte. Der Firma konnte geholfen werden. Wir hatten nämlich den Goethe doppelt.
Ein Band fehlte zwar; aber immerhin; für 29 Goethebände –statt 30- musste man ja auch schon ein ganz hübsches Sümmchen bekommen. Dafür wollte ich dann meinem Sohn Anton praktische Weihnachtsgeschenke kaufen.
Also telefonierte ich mit der Firma, welche alte Bücher zu den höchsten Preisen kaufen wollte. Das Telefonbuch verriet mir, daß die Firma eigentlich kein Buchhändler war und bisher ihren Lebensunterhalt aus alten Möbeln und ebensolchen Bildern gesogen hatte. Aber pünktlich war die Firma! Kaum hatte ich den Hörer aufgehängt, da war sie schon da und bot mir für die 29 Bände Goethe, a 20 Mark, summa Summarum 580 Mark. Hocherfreut schlug ich ein. Wobei die Firma einen kleinen Vorbehalt machte: den dreißigsten Band wolle sie sich nun selbst beschaffen und die Auslagen dafür bei der Schlussabrechnung noch abziehen. Auch diese kleine Nebenbedingung nahm ich an.
Die Schlussabrechnung der Firma lautete:
„Von Ihnen erhalten 29 Bände Goethe,
alt, a Mark 20-ergibt Mark 580.-
hinzugekauft auf Ihre Rechnung
1 Band Goethe fast neu….Mark 700.- Also bekommen wir von Ihnen noch heraus…Mark 120.- um deren baldgefällige Übersendung wir höflichst bitten.“ Es half nichts ich musste zu meinem Goethe noch 120 Mark zuzahlen.
Ich fürchte mein Sohn Anton wird an Weihnachten nicht zu üppig beschenkt werden.

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